
Gedenken an Pfarrer Jochen Müller
Pfarrer Jochen Müller stand dem christlichen Glauben in seiner Zeit als Jugendlicher zunächst ablehnend gegenüber, bis er 1950 nach Bremen zog, wo er zum lebendigen christlichen Glauben kam und ab 1961 Pfarrer der Matthäus Gemeinde wurde. In diesen Jahren seiner Leitung blühte die Matthäus Gemeinde regelrecht auf. Das Kirchenleben entfaltete sich, sodass in den Sonntagsgottesdiensten teilweise mehr als 600 Personen teilnahmen. Pfarrer Jochen Müller engagierte sich ehrenamtlich aber auch in vielen weiteren christlichen Organisationen. So war er z. B. Mitbegründer einer sehr erfolgreichen christlichen Schule in Bremen und Vorsitzender einer Missionsgesellschaft. Ab 1968 initiierte Pfarrer Jochen Müller zusammen mit Anton Schulte (1925–2010) große christliche Veranstaltungen, bei denen viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus kamen. Als evangelischer Pfarrer war Jochen Müller auch verheiratet und hatte mit seiner Frau Marianne (93) sechs Kinder, davon drei Söhne und drei Töchter. Jochen und Marianne Müller konnten sich am Heranwachsen ihrer 17 Enkel und 13 Urenkel erfreuen. Dieser Mann, der ein so großer Segen für sehr viele Menschen war, wurde durch seine eigene Familie so reich von Gott gesegnet.
Jochen Müller in Südtirol und Österreich
In Österreich wie auch in Südtirol war Jochen Müller häufig eingeladen, um den Menschen von der Botschaft von Jesus Christus zu erzählen. Als ERF Süd hatten wir Pfarrer Jochen Müller in den Jahren 1986, 1992, 1993 und 1999 zu Vortragsreihen und Seminaren bei uns in Meran und in Innsbruck. Seine Vortragsabende sowie die Predigtreihen in den Radiogottesdiensten im ERF wurden auch hierzulande vielen Hörerinnen und Hörern zum Segen. Vielen haben sie geholfen, mehr über die Bibel und den Glauben an Jesus Christus zu erfahren und in ihrem Glauben an den Gott der Bibel zu wachsen. Als ERF Süd strahlen wir auch heute noch die beliebte Sendereihe des ERF Gottesdienstes der Matthäus Gemeinde aus.
Wie ein Fels in der Brandung
Inzwischen ist Andreas Schröder leitender Pfarrer der Matthäus Gemeinde. Bei der Gedenkfeier für Jochen Müller am Karsamstag, den 4. April, sagte er anlässlich des Gedenkens an den Tod seines Vorgängers: „Wir sind dankbar für sein Leben. Wir sind dankbar dafür, dass Gott ihn zum Segen gesetzt hat für viele. Jochen Müllers Einfluss auf das Leben der Menschen war groß. Und es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn ich sage, Jochen Müller war eigentlich wie eine prägende Institution. Oder wie ein Monolith, ein Fels in der Brandung, fest und stark gebaut. Ein Ratgeber für viele von euch, eine Anlaufstelle, ein Halt, eine Orientierung. Er war ein wichtiger und bedeutsamer Mensch für viele." Selbst die Krankenschwestern, die ihn vor seinem Tod betreuten, waren traurig, als er verstarb. Sie sagten: „Der war so nett. Er war nur zwei Tage auf dieser Station, aber er kannte alle unsere Namen. Er wusste, wo wir herkamen. Er hat unsere Arbeit immer wertgeschätzt, hat sich immer bedankt und war so freundlich zu uns. Das haben wir hier nicht so oft."
Die Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit
Was Pfarrer Jochen Müller wichtig war für das Gedenken an ihn nach seinem Sterben war die Hoffnung, die ihn getrieben und die ihn sein Leben lang bewegt hat. Nach den Aussagen seiner Angehörigen war diese Hoffnung in seinem Leben bis zu seinem letzten Atemzug lebendig und deutlich erkennbar. „Es war die Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit, die er vor Augen hatte. Er wusste genau, wo er hingeht." Es gibt nicht so viele Menschen, von denen man das nach ihrem Tod noch sagen kann. Auf Pfarrer Jochen Müller trifft es auf jeden Fall zu.
Als Pfarrer einer großen Kirchengemeinde oblag es ihm u. a. auch, viele Trauerfeiern zu gestalten. Bei sehr vielen musste er auch selbst eine Trauerandacht halten. Dabei – wie auch in der Begleitung vieler Sterbender und deren Angehörigen – war ihm immer wichtig, was im Abschnitt des 1. Petrusbriefes, Kapitel 1, im Vers 3 steht. Dort heißt es: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Sein Nachfolger in der Matthäus Gemeinde, Pfarrer Andreas Schröder, der Jochen Müller in seinen letzten Tagen auf der Intensivstation im Krankenhaus besucht hat, berichtet: „Er war bereit, heimzugehen, weil er das Ziel kannte, weil er wusste, was danach kommt, weil er bereit war zu sagen: Ich lass los und ich gehe. Er hatte diese lebendige Hoffnung und diese lebendige Hoffnung zog ihn über die Schwelle des Todes hinein in das ewige Leben. Vielleicht würde er dich heute fragen: Hast du diese Hoffnung auch? Vielleicht würde er dich fragen: Hältst du auch an dieser Hoffnung fest, wenn die Stunde gekommen ist und du loslassen musst? Niemand weiß, wann das der Fall sein wird, ob mit 93 oder in einem ganz anderen Alter deines Lebens. Bist auch du bereit und weißt du um das Ziel, das auf dich wartet?" Jochen Müller konnte am Tag seines Todes mit Worten aus dem Lied „O Haupt voll Blut und Wunden" beten. Darin heißt es: „Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl." In dieser Dankbarkeit gegenüber Jesus, seinem Retter und Heiland, konnte er sein Leben auf dieser Erde loslassen.
Als ERF Süd sind wir sehr dankbar dafür, dass wir über einen so langen Zeitraum von den Erfahrungen eines so gesegneten Pfarrers profitieren konnten. Pfarrer Jochen Müller war nicht nur für die Matthäus Gemeinde und seine vielen Organisationen, die er mitgegründet hat, eine wahre Quelle der Inspiration, sondern auch für uns als ERF Süd. Als Verkündiger des Evangeliums von Jesus Christus wie auch als Freund unserer ERF Süd Radiostation war er nicht nur für viele Hörerinnen und Hörer ein verlässlicher Wegweiser, sondern auch ein wunderbarer Mensch, der unsere Arbeit mitgeprägt und immer auch mit unterstützt hat, dem wir deshalb auch viel verdanken.