20.06.2024

Fälschungen in der Wissenschaft

Im Mai 2017 wurde der ehemalige Star-Chirurg des schwedischen Karolinska-Instituts, Paolo Macchiarini, fristlos entlassen. Der Grund: eine 2016 eingesetzte Untersuchungskommission war zu dem Schluss gekommen, dass zahlreiche Publikationen und Forschungsleistungen des Mediziners gefälscht waren. 2008 war Macchiarini mit der spektakulären Transplantation einer künstlichen Luftröhre berühmt geworden. Durch eine vorgeblich von ihm entwickelte Behandlung des Implantats mit Stammzellen sollte die übliche Abstoßung ausgeblieben sein. Dafür erhielt er zahlreiche Ehrungen, wurde weltweit als Gutachter herangezogen und als Professor nach Schweden berufen. Dort führte er bis 2016 an 18 Patienten aus den USA, Russland und Südafrika ähnliche Luftröhrenoperationen durch, die jedoch fast alle mit dem baldigen Tod der Betreffenden endeten. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass nicht nur seine Erfolgsmeldungen falsch waren, sondern auch Teile seines Lebenslaufs, mit dem er sich in Schweden beworben hatte.

Glaube an die Wissenschaft

Dieses kleine Beispiel zeigt bereits, wie problematisch unser Glaube an die Wissenschaft sein kann. Wissenschaft hat eben nicht nur mit Zahlen und Fakten zu tun, die durch entsprechende Experimente bewiesen und wiederholt werden können, sondern findet auch unter Bedingungen statt, bei denen oft übertriebener Ehrgeiz und Geltungssucht eine große Rolle spielen.

Denken wir nur an die so weit verbreitete Evolutionstheorie, wo vieles überhaupt nie bewiesen wurde und wahrscheinlich auch nie bewiesen wird. Menschliche Irrtümer gibt es eben auch in der Wissenschaft, ganz zu schweigen vom ideologisch motivierten Betrug. Wissenschaft wird eben nur von Menschen gemacht, die anfällig sind für Ideologien, Wünsche und Hoffnungen. Die methodische Selbstbeschränkung jeder Wissenschaft führt dazu, dass die Ergebnisse der Forschung schon allein durch die Wahl der entsprechenden Methoden beschränkt werden. Hinzu kommen die zahlreichen Skandale, Fälschungen und Täuschungen, die längst zu einem weit verbreiteten Problem der Wissenschaft geworden sind.

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Systematische Fälschungen

1. Ernst Haeckels 1868 erstmals publizierte Embryonentafeln begründeten das von ihm formulierte Biogenetische Grundgesetz, nach dem beispielsweise der Mensch in seiner Embryonalentwicklung die Stationen seiner Stammesgeschichte durchläuft. Diese Ergebnisse trugen in Deutschland wesentlich dazu bei, dass die Evolutionstheorie salonfähig wurde und das, obwohl die Zuverlässigkeit dieser Theorie immer wieder in Frage gestellt wurde. Inzwischen hat der britische Entwicklungsbiologe Michael Richardson 1998 in der Fachzeitschrift Science nachgewiesen, dass Haeckels Theorie auf gefälschten Angaben beruht.

2. Der indische Geologe Viswa Jit Gupta von der Panjab University veröffentlichte über 20 Jahre lang 300 Publikationen mit aufsehenerregenden Erkenntnissen zur Geologie Indiens, bis sich 1989 herausstellte, dass seine vorgeblich indischen Fundstücke fast alle aus Marokko, den USA und China stammten.

3. Im Jahr 1995 veröffentlichte Werner Bezwoda von der Universität Johannesburg/Südafrika aufsehenerregende Ergebnisse bei der Behandlung von Brustkrebs mittels hochdosierter Chemotherapie. Daraufhin wurden tausende Frauen nach diesem Muster behandelt und das weltweit. Fünf Jahre später gab der Mediziner zu, dass wesentliche Teile seiner Veröffentlichungen gefälscht waren.

4. Bis zum Jahr 2000 war Shin’ichi Fujimura einer der anerkanntesten Archäologen Japans. Über 20 Jahre hinweg entdeckte er zahlreiche spektakuläre Objekte aus der Geschichte Nippons. Dann filmten Journalisten ihn dabei, wie er Fundstücke vergrub und später offiziell wieder „entdeckte“. Daraufhin verlor der Professor seine Ausstellung – und die japanischen Lehrbücher über Japan in der Steinzeit mussten umgeschrieben werden.

5. Jan Hendrik Schön, Nano-Physiker, fälschte Messdaten zum elektronischen Verhalten organischer Strukturen. Im Jahr 2001 publizierte Schön durchschnittlich alle acht Tage einen neuen Fachartikel. Er kündigte an, vor großen Durchbrüchen zu stehen und schon bald einen Hochtemperatur-Supraleiter und einen aus einem Molekül bestehenden Transistor präsentieren zu können. Schön war bereits als potenzieller Kandidat für den Nobelpreis in der Diskussion, als 2002 eine Untersuchungskommission nachwies, dass er in mindestens 16 Publikationen gefälschte Daten benutzt hatte. Zahlreiche Artikel wurden daraufhin zurückgezogen und Schön verlor seine Anstellung.

6. Der anerkannte Direktor des Fraunhofer-Instituts für naturwissenschaftlich-technische Trendanalysen in Euskirchen, Hans Werner Gottinger hatte in mehreren seiner Veröffentlichungen ganze Passagen aus fremden Studien abgeschrieben und nicht gekennzeichnet. Später stellte sich heraus, dass Gottinger auch in seiner Vita einige wissenschaftliche Anstellungen frei erfunden hatte.

7. Mehr als zehn Jahre lehrte Diederik Stapel als Professor für Sozialpsychologie an verschiedenen niederländischen Hochschulen. In dieser Zeit veröffentlichte er über 100 Aufsätze und war Herausgeber von Büchern und internationalen Fachzeitschriften. Viele seiner Veröffentlichungen haben weltweit ein breites Medienecho gefunden, bis ihm nachgewiesen wurde, dass er die seinen Studien zugrundeliegenden Daten all die Jahre weitgehend erfunden hatte.

All das sind leider keine Einzelfälle, sondern bieten nur einen kleinen Einblick in das große Problem der Fälschungen innerhalb der Wissenschaft. Die Liste von wissenschaftlichem Fehlverhalten umfasst das Erfinden und Fälschen von Daten, die Manipulation von Abbildungen, Plagiate wie auch das Verheimlichen unliebsamer Daten. Dafür gibt es Beispiele aus praktisch allen Wissenschaftsbereichen. Oft allerdings dauert es Jahre, bis ein Betrug aufgedeckt werden kann. Und selbst dann versuchen Wissenschaftsorganisationen den Skandal oft noch unter Verschluss zu halten. Inzwischen gibt es aber auch eine Reihe von Studien, die nahelegen, dass Fälschungen in der Wissenschaft ein durchaus weit verbreitetes Phänomen sind. Das sollte uns helfen, zumindest vorsichtig damit umzugehen, wenn wir von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen hören.

Es sind leider kein Einzelfälle mehr

Studien zeigen, dass zwischen 25 und 30% der Forscher in ihrem Umfeld schon mit Fehlverhalten konfrontriert waren. Eine Befragung von tausenden US-Wissenschaftlern aus dem Jahr 2005 ergab, dass jeder Dritte schon einmal in seinem direkten Umfeld mit wissenschaftlichem Fehlverhalten konfrontiert war. Häufig ging es dabei um die nachträgliche Veränderung der Methodik, die Weglassung unangenehmer Versuchsergebnisse und die ungekennzeichnete Übernahme fremder Forschungsergebnisse. Eine vergleichbare Studie aus dem Jahr 2010 kommt für Deutschland und Österreich zu einem ähnlichen Ergebnis. Jeweils 26% hatten erlebt, dass Projekte nicht ausreichend dokumentiert waren oder Resultate aufpoliert wurden.

Eine große Rolle spielt dabei auch der Erwartungsdruck, unter dem viele Forscher stehen. Sie konkurrieren weltweit mit anderen Teams und wissen, dass nur der Erste den Ruhm und die wichtigen Forschungsgelder erhalten wird. Manche Wissenschaftler sehen ihre Anstellung in Gefahr, wenn sie nicht regelmäßig publizieren. Weil ihnen die Zeit für seriöse Untersuchungen fehlt, erfinden sie Forschungen, die sie teilweise von früheren Projekten ableiten. Weil ihnen die nötige Geduld oft fehlt, kürzen sie den Weg mit gefälschten Daten ab. Häufig sind auch einfach die gefundenen Daten zu schwach, um das gewünschte Ergebniss daraus ableiten zu können. Dann kommt die Versuchung, die Daten aufzublähen. Dieser Versuchung können einige Forscher nicht widerstehen.

Kavaliersdelikt?

Wenn wir bedenken, was sogenannte Erkenntnisse der Wissenschaft in unserer Zeit anrichten, sind das eben nicht nur „Kavaliersdelikte“, sondern gefährliche Informationen. Immerhin können im Bereich der Medizin durch falsche wissenschaftliche Ergebnisse Menschen sterben. Durch die Verbreitung der Evolutionstheorie als Postulat der Wissenschaft werden junge Menschen in die Irre geführt. Auch politische Entscheidungen können durch gefälschte wissenschaftliche Ergebnisse großen Schaden anrichten. Was sicher schon häufig genug der Fall war. Denken wir nur an den berühmten „Bericht des Club of Rome“ zur Lage der Menschheit und den darin enthaltenen Irrtümern.

Die einzig erfolgreiche Strategie gegen Fehlverhalten und Fälschungen in der Wissenschaft ist letztlich die Persönlichkeit des Forschers, der sich weigert, zu illegitimen Mitteln zu greifen. Spätestens hier kommt auch der Glaube an Gott ins Gewicht. Denn wer sich vor Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, verantwortlich weiß, kennt seine ethischen Grenzen. Leider wird dafür in unseren Universitäten so gut wie keine Zeit investiert, was besonders schade ist. Vor allem in einer Zeit wie der unseren, in der sich alle so sehr daran gewöhnt haben, an die Wissenschaft zu glauben, und Erkenntnisse der Wissenschaft eine so große Verbereitung finden, wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Bis sich auf diesem Gebiet etwas ändert, bleibt uns nur eine gewisse Skepsis zu den „Ergebnissen“ der Wissenschaft zu bewahren. Gut ist auch, wenn wir diese Erkenntnisse an den Aussagen der Bibel überprüfen, wo das möglich ist.

Michael Kotsch hat Theologie, Religionswissenschaft und Ökologie studiert, unterrichtet an verschiedenen theologischen Seminaren und ist Autor zahlreicher Bücher. Sein Text wurde gekürzt.

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