01.02.2019

Was ist Glück in unserem Leben?

Glück entsteht nicht durch einen hohen Lebensstandard. Sonst müssten die Menschen in unserer Region glücklicher sein als Menschen in weit weniger entwickelten Ländern. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Laut  dem World Happiness Report" ist Glück keine Frage des Geldes. In Deutschland ist das Realeinkommen seit 1950 um rund 250 Prozent gestiegen. Doch fragt man Menschen in Deutschland, ob sie glücklich sind, sagen 75 Prozent der Befragten, dass sie sich als nicht sehr glücklich einstufen würden.

Glück und Gesundheit

Ist Glück eine Folge von Gesundheit und körperlichem Wohlbefinden? Wahrscheinlich. Dennoch bleibt die Frage, warum es so viele kraftstrotzende Menschen gibt, die trotzdem unglücklich sind. Wogegen behinderte Menschen, die vielleicht sogar an den Rollstuhl gefesselt sind, manchmal eine Atmosphäre des Glücks verbreiten.

Ist Glück eine Frage des Zufalls?

Ja, es gibt dieses Phänomen. Menschen, von denen wir glauben, dass sie das Glück gepachtet haben. Aber schauen wir genauer hin, merken wir sehr bald, dass Glück zumeist nur sehr wenig mit dem Zufall zu tun hat und erst recht nicht in Glücksspielen zu finden ist. Wer das Lexikon aufschlägt, liest davon, dass  Glück als günstige Fügung des Schicksals" oder als daraus erwachsenden Erfolg" oder als Gemütszustand innerer Befriedigung" bezeichnet wird, der nach der Erfüllung von wesentlichen Wünschen und Sehnsüchten" eintritt. Wie auch immer; wichtig ist festzuhalten, dass wir uns alle nach Glück sehnen und dass es auch gewiss nichts Verwerfliches ist, wenn wir danach streben.

Wer auf das Wort des Herrn achtet, findet Glück; wohl dem, der auf ihn vertraut."
Die BIBEL, Sprüche 16,20

Fragwürdig und oft genug enttäuschend sind nur die Wege, über die wir gehen, um unser Glück" zu finden. Fraglich ist auch die Gier, mit der wir ihm nachjagen. Johann Wolfgang von Goethe, der deutsche Dichter, sagte in seinen späteren Jahren einmal: Ich bin in den bisherigen 75 Jahren meines Lebens keine vier Wochen glücklich gewesen." Dabei hatte er mehr als die meisten über den Sinn des Lebens nachgedacht, in seinem Leben viele Erfolge gefeiert und war aufgrund seiner Berühmtheit ein begehrter Mann seiner Zeit. Doch was er nicht besaß, das war sein Seelenfrieden – das wird auch in seinen Werken, allen voran in seinem Hauptwerk Faust", deutlich: Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust." Dieses Zitat drückt aus, was die Hauptfigur des Werkes und wohl auch den Dichter selbst quält. Beide stecken in einem wohl nicht anders als tragisch zu bezeichnendem Dilemma. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Was macht Menschen glücklich?

Was macht uns Menschen glücklich? Sind es die Erbanlagen? Das Milieu, in das wir als Kinder hineingeboren wurden? Die bewusste Selbststeuerung eines Menschen, über die er sein Glück" findet? Niemand von uns konnte sich seine Vorfahren aussuchen. Stattdessen hat Gott im Lauf von Jahrtausenden eine große Zahl von Vätern und Müttern dazu ausgesucht, unsere persönlichen Vorfahren zu werden, so dass durch die genetische Kombination unserer Erbanlagen ein von Gott gewolltes Original entstehen konnte. Deshalb ist es auch nicht unwesentlich für unser Lebensglück, dass wir das bejahen, damit wir die Gaben und Chancen, die uns dadurch gegeben sind, nutzen können und nicht immer nur auf Talente und Fähigkeiten starren müssen, die uns nicht gegeben sind. Denn wenn wir vielleicht auch keine glücklichen Startbedingungen" in unserem Leben hatten, keine harmonische Familie, keine liebevolle Zuwendung von Mutter und Vater, keine günstigen moralischen Einflüsse in den ersten Lebensjahren, die unsere Entwicklung gefördert haben, so heißt das noch lange nicht, dass wir deshalb nicht glücklich werden können. Wir können glücklich werden, wenn wir die tieferen Zusammenhänge kennen, die uns zu unserem Glück verhelfen.

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit."
Søren Kierkegaard (1813–1855)

Wer sich Ziele setzt und bewusst daran arbeitet, sie zu verwirklichen, ist damit bereits auf dem Weg zu seinem Glück. Denn dadurch übt er ein, was ihn über seine Herkunftsbedingungen hinausträgt. Das ist allemal besser, als ein Leben lang darüber zu jammern. Denn sowohl der äußere Lebenserfolg als auch das innere Lebensglück hängen davon ab, wie wir die als richtig erkannten Ziele in unserem Leben mit Ausdauer und Disziplin verfolgen, während wir uns gleichzeitig als Person und Charaktere treu bleiben. Allerdings führt auch das alles nicht automatisch zum Glück. Denn letztlich hängt Glück tatsächlich mit unserer tiefen Geborgenheit in Gott zusammen. Denn erst da, wo wir Gewissheit haben, dass es Gott gibt und dass wir von Gott gewollt, geliebt und begleitet werden, beginnen wir auch im Einklang mit Gott, unserem Schöpfer, zu leben. Das gibt unserem Leben dann diesen einen tiefen Sinn und diesen  Frieden, von dem die Bibel schreibt, dass nur Gott ihn geben kann (vgl. Joh 14,27).

Glücksphilosophie

Der Schweizer Philosoph Carl Hilty (1833 – 1909) war Jurist und ab 1873 Professor für öffentliches Recht an der Universität in Bern, gleichzeitig siebzehn Jahre lang Chef der Schweizerischen Militärjustiz, Mitglied des Haager Schiedshofs und Abgeordneter des Schweizerischen Nationalrats. Sein Leben war geprägt von einem tiefen, an der Bibel ausgerichteten Glauben an Jesus Christus, zu dem er sich sowohl privat als auch in seinem Beruf immer offen bekannte.

Suche dein Glück beim Herrn: Er wird dir jeden Wunsch erfüllen."
Die BIBEL, Psalm 37,4

Carl Hilty schrieb ein dreibändiges Werk über das Glück, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und ihn in der ganzen Welt bekannt machte. Darin beschreibt er, zu welchen positiven Veränderungen die Geborgenheit im Glauben an Jesus Christus führt. Das ist ein lebenslanger Wachstums- und Reifeprozess, der in jedem Lebensabschnitt eine altersgemäße Ausprägung findet. Dieser Prozess, der im Neuen Testament der Bibel als Heiligung" bezeichnet wird, bedeutet für Hilty, dass alles in seinem Leben von dem Wunsch geprägt sein sollte, dem Willen Gottes zu entsprechen" – nicht aus einem Zwang heraus, sondern aus Liebe zu Gott. So erlebte er jenes Glück, über das er in seinem dreibändigen Werk so tiefsinnig nachgedacht hat. Glück", so schreibt Hilty, ist der beständige Friede, der von äußeren Schicksalen nicht mehr abhängig ist, sondern dieselben völlig überwunden hat."

Glücklich ist ...

Die Sehnsucht nach Glück lag Jesus Christus so sehr am Herzen, dass er alles tat, um uns zu diesem Glück zu verhelfen. Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich." So heißt es in Matthäus, Kapitel 5, Vers 3. D. h. Menschen, die bescheiden genug sind, um sich von Gott helfen zu lassen, sind glücklich zu nennen, so sagt Jesus. Wörtlich heißt es hier: Glücklich sind, die auf Frieden bedacht sind, denn sie werden die ganze Erde besitzen. Glücklich sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden. Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren. Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben; denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. Glücklich könnt ihr euch schätzen, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt. Ja, freut euch und jubelt, denn im Himmel werdet ihr dafür reich belohnt werden!" (Mt 5,4-12) Wahrscheinlich haben Menschen sich zu allen Zeiten schon damit beschäftigt, Wege zu finden, wie sie glücklich werden konnten. Seit Jesus auf dieser Welt war, wissen wir aber, dass wir Gott brauchen, um wirklich glücklich zu werden. Gott seinerseits hält Ausschau nach Menschen, die sich von ihm helfen lassen. Wenn es vielen von uns auch fremd geworden sein mag, nach Gott zu fragen, er ist dennoch die Quelle des Glücks und der Sinn in unserem Leben. Umso wichtiger ist es, dass wir wieder nach Gott fragen. In ärmeren Ländern der Welt geschieht es bereits, warum nicht bei uns? Geht es uns zu gut? So gut, dass wir glauben, Gott nicht nötig zu haben? Das wäre fatal, denn wie heißt es in der Bibel: Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind ...!"

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