01.04.2021

Miteinander reden – aber wie?

Verschiedenen Studien zufolge verwendet eine Frau täglich ca. 30.000 Worte, um sich mitzuteilen, Männer allerdings nur 20.000. Allein dieser Unterschied von 10.000 Worten, die eine Frau am Tag mehr spricht, lässt darauf schließen, dass es zu Missverständnissen kommen muss. Doch die Problematik geht noch weiter. Denn so manch eine Frau hat nicht mal einen Ansprechpartner, an den sie sich wenden kann. Ganz zu schweigen davon, dass er etwas von Kommunikation versteht und bereit wäre, sie zu praktizieren.

„Reden ist wie das Tor zum Herzen der Frau“

Frauen teilen sich gerne mit und offensichtlich tut es ihnen auch gut. Denn im Erzählen verarbeiten Frauen ihre Alltagsprobleme und Erlebnisse. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Männer ihnen zuhören. Wenn eine Frau niemanden hat, der ihr zuhört, wird sie sich über kurz oder lang jemanden suchen, bei dem sie dieses Grundbedürfnis ausleben kann. Dass Mann und Frau miteinander reden, sollte deshalb eine Selbstverständlichkeit sein. Wo das nicht geschieht, sind nicht nur Konflikte vorprogrammiert, sondern auch eine spürbare Abkühlung der Beziehung, die im schlimmsten Fall zu einer Trennung führen kann. Das gilt vor allem für jede Ehe, aber auch in Beziehungen generell.

Zuhören will gelernt sein - einander verstehen auch

Viele Männer sind in der Partnerschaft leider keine besonders guten Zuhörer. Das ist schade. Denn oft führt gerade das dazu, dass Frauen sich andere „Zuhörer“ suchen und sie dann auch finden. Das können Freundinnen sein, Therapeuten, aber auch andere Männer. Kommunikation ist nun mal wichtig und, wie wir bereits gesagt haben, „das Tor zum Herzen der Frau“. Es ist gut, wenn ein Mann das weiß und nicht auf die leichte Schulter nimmt. Es gibt noch einen anderen Grund, warum Frauen gerne von sich erzählen. Vielen kommt die Lösung für ein Problem, das sie beschäftigt und vielleicht sogar blockiert, während sie mit jemandem darüber reden. Dieses Phänomen ist häufig zu beobachten und muss schon alleine deshalb ernst genommen werden.

Bei Männern ist es oft so, dass sie erst dann über etwas sprechen, wenn sie bereits eine Lösung gefunden haben. Wenn dieser Unterschied allerdings dazu führt, dass es zu überhaupt keinem Gespräch kommt, sind die Folgen abzusehen. Frauen fühlen sich übergangen, Männer fühlen sich unverstanden, was zur Folge hat, dass beide sich zurückziehen, bis keiner den anderen mehr versteht, und sie beginnen, sich emotional voneinander zu entfernen. Was darauf folgt, zeigen uns die heutigen Statistiken.

Auch reden will gelernt sein

Viele zwischenmenschliche Probleme lassen sich nicht nur voraussagen, sondern auch verhindern - vorausgesetzt man kümmert sich rechtzeitig darum und kennt die Grundregeln guter Kommunikation, die so oft nicht beachtet werden. Kommunikation bedeutet nicht nur, dass wir uns mitteilen, sondern wir müssen auch die Signale des anderen aufnehmen. Wer sich nur mitteilt, ohne den anderen wahrzunehmen, darf sich nicht wundern, wenn er nicht gehört wird. Reden will gelernt sein.

Wer nur an der Vermittlung seiner Botschaft interessiert ist, dessen Kommunikation geht nur in eine Richtung. Wie der andere diese aufnimmt, ist aber mindestens ebenso wichtig. Leider ist die Alltagspraxis unserer Kommunikation oft so, dass einer drauflosredet, ohne dass der andere ihm wirklich zuhört. So werden Mails „überflogen“, oder man benutzt, während man dem anderen zuhört, jede Gelegenheit, um wieder das zu sagen, was man sagen möchte. Wir kennen diese verschiedenen Formen falscher Kommunikation wahrscheinlich alle nur zu gut. Wie sagte der französisch-rumänische Dichter Eugène Ionesco? „Heute will jeder jeden nur noch zu seinem Bewunderer.“ Selbst in Pressekonferenzen und Interviews geben Journalisten oft mehr ihre eigenen Statements ab, als dass sie Fragen stellen.

Aber was ist gute Kommunikation? Woran erkennt man sie? Worauf muss ich achten, wenn ich die Regeln guter Kommunikation einhalten möchte? Darauf wollen wir im Folgenden eingehen. 

1. Kommunikation bedeutet nicht nur, dass wir uns mitteilen, sondern dass wir gleichzeitig auch zuhören, die Reaktion des anderen wahrnehmen und in unsere Kommunikation einbauen.

2.      Zuhören verlangt Geduld und Zeit, die investiert werden muss, wenn wir einander verstehen wollen. Das gilt vor allem für die Kommunikation in unseren Ehen, Partnerschaften und Familien, wo gute Kommunikation von elementarer Bedeutung ist. Wer das nicht erkennt, darf sich nicht wundern, wenn plötzlich in all diesen Bereichen Sand im Getriebe ist und Missverständnisse sich häufen.

3.    Ein guter Zuhörer wiederum achtet den, der redet und gibt ihm den Raum, den es braucht, um sich wirklich „mitzuteilen“. Das ist vor allem zwischen Mann und Frau von besonderer Bedeutung. Jede Frau wünscht sich, geachtet und ernst genommen zu werden.

4.    Ein guter Zuhörer hält aber nicht nur seinen Mund und hört, sondern ist aktiv am Gespräch beteiligt und stellt Fragen, um den anderen zu verstehen.
Wie kann das, was falsch läuft, anders werden?

Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, dass es Bereiche im Leben gibt, in denen Missverständnisse ausgeschlossen sein müssen, weil sie zu katastrophalen Folgen führen würden? Beispiele dafür gibt es in Arbeitsbereichen der Polizei, der Feuerwehr, am OP-Tisch oder im Luftverkehr. Warum ist hier die absolut korrekte und richtige Kommunikation so wichtig? Ganz einfach, weil der Schaden, der ohne sie entstünde, zu groß wäre. Ein Missverständnis reicht, um einen Flugzeugabsturz zu verursachen oder bei einer Operation das Leben eines Patienten zu gefährden. Deshalb ist es in diesen Bereichen absolut wichtig, ein sicheres System der Kommunikation zu kennen und auch zu praktizieren.
Wie aber ist das in unseren Ehen und Familien, bei unseren Freunden?

Aber ist uns eigentlich bewusst, dass der Schaden durch Fehler in der Kommunikation innerhalb einer Beziehung zwischen Mann und Frau genauso groß werden kann, wie bei einem der genannten Beispiele von OP, Polizei oder Flugverkehr? Wer das einmal begriffen hat, wird auch die Motivation dafür finden, das Thema Kommunikation in Ehe, Familie und Partnerschaft anzugehen und zu lernen, wie ein gesunder Austausch zustande kommen kann.

Tatsache ist jedenfalls, dass viele gescheiterte Beziehungen wohl nicht auseinander gegangen wären, wenn wir alles tun würden, um Missverständnisse zu vermeiden, die Bedürfnisse des anderen zu respektieren und darauf einzugehen. In einer Ehe wie auch in einer Partnerschaft ist es immer gut, wenn jeder sich frei fühlen kann, zu sagen, was ihm auf dem Herzen liegt. Dazu noch einige Tipps.

1.    Fragen Sie sich, ob Sie dem anderen wirklich den Freiraum, die Zeit und die Aufmerksamkeit geben, die er braucht um sich verstanden zu fühlen. Wenn nicht, seien Sie nicht zu stolz oder zu bequem, um nachzufragen und etwas daran zu ändern.

2.    Zuhören will geübt sein. Das geht nicht von heute auf morgen. Nehmen Sie sich die Zeit dafür und üben sie „Zuhören“. Versuchen Sie dabei wirklich dem anderen nahe zu sein, vor allem in Konfliktsituationen.

3.    Wenn ein Gespräch einmal zu einem wirklichen Streit ausartet, nehmen Sie sich anschließend immer genügend Zeit, um alle Konfliktpunkte gründlich zu bereinigen. Lassen Sie nicht die „Scherben“ herumliegen.

4.    Während der eine redet, hört der andere, bis er verstanden hat, erst dann darf er reden.

Das alles kostet Zeit und Kraft, wahrscheinlich mehr, als wir zu investieren gewohnt sind. Aber es lohnt sich. Deshalb: Fangen Sie damit an, denn der Zeitpunkt, wo es noch nicht zu spät ist, ist immer jetzt. Aber keiner von uns weiß, wie lange noch.

 

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